Gesetzliche Grundlagen

Die Bedeutung ökologischer Netzwerke für den Erhalt der alpinen Biodiversität spiegelt sich in zahlreichen Gesetzgebungen von der internationalen bis zur regionalen Ebene wider. Grundlagen für ein alpenweites ökologisches Netzwerk sind insbesondere das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD), Natura 2000 und die Alpenkonvention. Der auf europäischer Ebene vorgegebene Rahmen wird allmählich auch auf nationaler und subnationaler Ebene umgesetzt. Dabei werden individuelle Instrumente entwickelt, die an die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten und Bedürfnisse angepasst sind. So haben in den letzten Jahren eine zunehmende Anzahl europäischer Länder nationale Gesetzgebungen bezüglich ökologischer Verbindungen in der Landschaft verabschiedet. Dies zeigt die Bedeutung, die dem Erhalt ökologischer Netzwerke zum langfristigen Schutz der biologischen Vielfalt beigemessen wird.

© aliyev-heritage.org
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Alpenkonvention

Die Alpenkonvention ist eine Rahmenkonvention der 8 Alpenländer Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Slowenien, Fürstentum Monaco, Schweiz, Fürstentum Liechtenstein und der Europäischen Union zum Schutz und zur Nachhaltigen Entwicklung der Alpenregion.
Der Artikel 12 des Protokolls „Naturschutz und Landschaftspflege“ der Alpenkonvention fordert die Schaffung eines „nationalen und grenzüberschreitenden Verbunds ausgewiesener Schutzgebiete, Biotope und anderer geschützter oder schützenswerter Objekte“.
Dementsprechend wurde die grenzübergreifende Vernetzung von Schutzgebieten ins mehrjährige Arbeitsprogramm (MAP) 2005 bis 2010 der Alpenkonferenz aufgenommen. Unter dem Themenschwerpunkt „Natur, Land- und Forstwirtschaft, Kulturlandschaft“ ist eines der wichtigsten Themen der Erhalt von Landschaften, Lebensräumen und Arten. Als zielführende Massnahme ist hier auch die Biotopvernetzung erwähnt. Weitere Schritte zur grenzübergreifenden Vernetzung von Schutzgebieten und Verknüpfung mit anderen ökologisch bedeutsamen Strukturen werden als Priorität für die zukünftige Arbeit der Alpenkonferenz angeführt (MAP, Punkt 2.4.).
In 2007 haben die Alpenstaaten die Plattform „Ökologischer Verbund“ eingerichtet. Diese Expertengruppe bietet den Alpenländern den Rahmen, um Erfahrungen auszutauschen sowie methodische Ansätze und Massnahmen gemeinsam zu erarbeiten und aufeinander abzustimmen. Die Plattform, die offizielle Vertreter der Alpenländer sowie Expertinnen, Schutzgebietsverwalter und Mitglieder alpiner Einrichtungen zusammenbringt, ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Politik, Wissenschaft und Praxis und gewährleistet einen effizienten Austausch mit anderen Netzwerken. Innerhalb der Plattform arbeiten die Experten in drei Bereichen eng zusammen: wissenschaftliche Begleitung hinsichtlich der Etablierung eines ökologischen Verbunds, projektorientierte Umsetzung sowie Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.

Natura 2000

Hauptzielsetzung von Natura 2000 ist die Sicherung eines kohärenten Netzwerks von Lebensräumen und charakteristischen Arten in den Mitgliedsstaaten der EU. Damit unterstützt Natura 2000 die Ziele eines kohärenten und funktionalen Habitat- und Biotopverbunds. So wird den Mitgliedsstaaten in der FFH-Richtlinie die Förderung von "verbindenden Landschaftselementen" nahe gelegt, die die ökologische Kohärenz des Schutzgebietsnetzes Natura 2000 verbessern sollen (Artikel 3 und 10). Damit ist keine Verpflichtung zur Ausweisung neuer Schutzgebiete gemeint, sondern es sollen über die Natura 2000-Gebiete hinaus verbindende Elemente in der Landschaftsplanung berücksichtigt werden.
Natura 2000 basiert auf den EU-Richtlinien „Flora-Fauna-Habitat“ (FFH-Richtlinie 92/43/EWG) und „EG-Vogelschutzrichtlinie“ (79/409/EWG). Das EU-weite Netz von Schutzgebieten soll dem Erhalt des europäischen Naturerbes in seiner Vielfalt dienen. Natura 2000 strebt darüber hinaus einen günstigen Erhaltungszustand der in den Anhängen der beiden Richtlinien aufgeführten Lebensraumtypen und Arten gemeinschaftlicher Bedeutung an. Um deren Repräsentativität zu gewährleisten, wurden als Bezugsräume biogeographische Regionen abgegrenzt, die sich an den Verbreitungsgebieten der Arten orientieren. Der Alpenbogen bildet gemeinsam mit anderen europäischen Gebirgsräumen die alpine biogeographische Region (Hochgebirgsregionen).
Ein weiterer wichtiger Aspekt von Natura 2000 im Zusammenhang mit dem ökologischen Verbund ist die Verpflichtung, die für einen günstigen Erhaltungszustand der Arten bzw. Lebensraumtypen erforderlichen Schutz- und Entwicklungsmassnahmen auf Dauer sicherzustellen. Für alle Gebiete gemeinschaftlichen Interesses müssen Massnahmen zur Erhaltung der natürlichen Lebensraumtypen und Arten der Richtlinie festgelegt werden, die in entsprechenden Managementplänen konkretisiert werden sollten. Ein Kriterium für den Erhaltungszustand ist dabei unter anderem die ökologische Vernetzung. Um die Umsetzung zu gewährleisten, sehen sowohl die FFH-Richtlinie als auch die Vogelschutzrichtlinie vor, dass die Mitgliedstaaten in regelmässigen Zeitabständen über ihre Schritte und Massnahmen zur Umsetzung beider Richtlinien an die Europäische Kommission berichten (Artikel 17 der FFH- bzw. Artikel 12 der Vogelschutzrichtlinie). Im Rahmen der FFH-Richtlinie ist alle sechs Jahre über den Zustand der Bestandteile des Natura 2000-Netzes Bericht zu erstatten. Dazu ist eine allgemeine Überwachung der Arten und Lebensraumtypen gemeinschaftlichen Interesses durchzuführen (Artikel 11 der FFH-Richtlinie), die auch ausserhalb der Natura 2000-Gebiete stattfinden soll. Denn sie verfolgt das Ziel, den Erhaltungszustand der genannten Lebensraumtypen und Arten unter besonderer Berücksichtigung der prioritären natürlichen Lebensraumtypen und Arten unabhängig von der Gebietskulisse zu überwachen.
Mit diesen gesetzlich verbindlichen Vorgaben und Zielsetzungen von Natura 2000 wird eine Reihe von Instrumenten zur Förderung des ökologischen Verbundes bereitgestellt. Die Planung und Umsetzung von Massnahmen zum ökologischen Verbund ist daher in engem Zusammenhang mit Natura 2000 zu sehen. Ausserdem können auch Managementpläne und Berichts- bzw. Monitoringpflichten im Rahmen von Natura 2000 gezielt zur Förderung des Biotopverbundes beitragen. Daher wurden sie als Massnahmen in den vorliegenden Katalog aufgenommen.

Europäische Wasserrahmenrichtlinie

Die Europäische Union hat mit der seit Dezember 2000 gültigen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL, Richtlinie 2000/60/EG) in allen Mitgliedsstaaten der EU einheitlich geltende Umweltziele für den Schutz des Grundwassers und der Oberflächengewässer aufgestellt. Dabei verfolgt die Wasserrahmenrichtlinie einen umfassenden, integrativen und länderübergreifenden Ansatz, der den nachhaltigen Ressourcenschutz und den Erhalt der ökologischen Funktionsfähigkeit der Gewässer in den Mittelpunkt stellt. Als Hauptziel der WRRL wird angestrebt, dass Flüsse, Seen, Küstengewässer und Grundwasser spätestens bis 2027 einen guten ökologischen Zustand erreichen.
Die Richtlinie berücksichtigt dabei insbesondere die ökologische Funktion der Gewässer als Lebensraum für unterschiedliche Pflanzen und Tiere. Die Ziele zur Verbesserung des Zustands der Gewässer beziehen auch abhängige Landökosysteme und deren Vernetzung mit ein. Darüber hinaus kommt der Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit für aquatische Organismen und den Sedimenttransport in natürlich entstandenen Fließgewässersystemen eine vorrangige Bedeutung zu (Artikel 4 und Anhang V). Nur wenn diese Durchgängigkeit besteht, können z.B. Wanderfischarten wie die Forelle ihre natürlichen Lebensräume in den Gewässeroberläufen erreichen. Auch für wirbellose Tiere können aus der Isolation einzelner Fließgewässerabschnitte, z.B. durch Wehre, Wasserkraftanlagen, Stauseen oder verrohrte Gewässerstrecken, Probleme entstehen.
Mit diesen gesetzlich verbindlichen Vorgaben und Zielsetzungen der WRRL werden konkrete Instrumente zur Förderung eines alpenweiten ökologischen Verbundes bereitgestellt. Denn mit der WRRL haben sich die Mitgliedsstaaten verpflichtet, die ökologische Durchgängigkeit aller Fließgewässer, soweit möglich, wieder herzustellen. Die Umsetzung der WRRL erfordert u.a. gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstrukturen sowie der Durchgängigkeit, z.B. den Bau von Fischaufstiegsanlagen bzw. Umgehungsgerinnen an Wasserkraftanlagen und Wehren oder den Rückbau von Verrohrungen und Abstürzen.

Nationale Gesetzgebungen

Österreich: Richtlinie Wildschutz
Seit der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) vom März 2002 sind die Länder in Deutschland gesetzlich verpflichtet, auf mindestens 10 % der Landesfläche einen länderübergreifenden Biotopverbund aufzubauen. Ziel des Biotopverbunds nach § 3 BNatSchG ist die Sicherung der heimischen Arten und ihrer Lebensräume, und die Bewahrung bzw. Wiederherstellung funktionsfähiger ökologischer Wechselbeziehungen. Dies erfordert ein dreistufiges Verfahren zur Ermittlung der Flächen, die schon einen Beitrag zum Biotopverbund leisten, des Bedarfs an weiteren geeigneten Flächen sowie an geeigneten Entwicklungsflächen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ökologische Wechselwirkungen in ganz unterschiedlichen räumlichen Dimensionen stattfinden. Für den in § 3 BNatSchG geforderten länderübergreifenden Biotopverbund sind die internationale bis regionale Ebene von Bedeutung. Für alle Flächen, auch Flächen mit Schutzstatus, gilt, dass sie nur dann Bestandteil des Biotopverbunds sind, wenn sie zur Erreichung des in § 3 Absatz 2 BNatSchG genannten Ziels geeignet sind. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, fachliche Auswahlkriterien zur Ermittlung geeigneter Flächen zu entwickeln. Entsprechende Empfehlungen wurden von einer Expertenrunde aus Bund und Ländern erarbeitet (Burkhardt et al. 2004). In Anwendung dieser Kriterien wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes der Bestand an national bedeutsamen Flächen für den Biotopverbund ermittelt (Fuchs et al. 2007). Die Flächen des sogenannten „Grünen Bandes“ entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze sind ein wichtiger Bestandteil des nationalen Biotopverbundes.

Frankreich: Grünes und blaues Netzwerk „Trame verte et bleue“
Das grüne und blaue Netzwerk „Trame verte et bleue“ ist in Frankreich eines der grossen nationalen Projekte, die im Oktober 2007 im Rahmen der Umweltdebatten „Grenelle de l’Environnement“ erarbeitet wurden. Ziel der Debatten war es, langfristig wirksame Entscheidungen in den Bereichen Umwelt und nachhaltige Entwicklung zu treffen, insbesondere für den Schutz der Biodiversität. Die „Trame verte et bleue“ ist ein Werkzeug für eine ökologisch orientierte Raumplanung in ganz Frankreich, das in Abstimmung zwischen dem Staat, Gebietskörperschaften und einer Vielzahl von Akteuren aus Wissenschaft und von Vereinigungen erarbeitet wurde.
Mit der „Trame verte et bleue“ findet der Begriff der ökologischen Kontinuität erstmals Eingang in die französische Gesetzgebung. Die Umsetzung wird mehrere Jahre dauern und ist Teil eines Massnahmenpakets für den Schutz der Biodiversität, das im Gesetz „Grenelle II“ festgeschrieben und präzisiert wird. Das Gesetz wird derzeit erarbeitet und gibt vor, dass der Staat nationale Leitlinien festlegt. Auf deren Grundlage sollen die Regionen bis Ende 2012 Biotopverbundkonzepte erarbeiten. Die Gemeinden müssen diese regionalen Konzepte jeweils in ihren Planungsdokumenten berücksichtigen.
Auf regionaler Ebene entwickeln einige Regionen Initiativen für Biotopverbünde. Am Weitesten fortgeschritten sind die Projekte in Nord-Pas de Calais und dem Elsass. Aber auch die Regionen Rhône-Alpes, Ile-de-France und Basse-Normandie sind bereits aktiv geworden.
Das Departement Isère, in dem sich mehrere wichtige Schutzgebiete befinden, arbeitet seit 1996 an der Entwicklung eines Biotopverbundes. Im Jahr 2001 wurde eine Karte der Biotopvernetzung des Departements (REDI) veröffentlicht. Seither wurden zahlreiche Aktivitäten gestartet, um den geplanten Biotopverbund umzusetzen (Wildtierbrücken und -tunnels, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Öffentlichkeitsarbeit, Integration in Planungsverfahren).
Der französische Dachverband der regionalen Naturparks hat eine Methode zur Umsetzung der Biotopvernetzung innerhalb der regionalen Naturparks entwickelt. Sie wird derzeit u.a. von den Parks Oise-Pays de France, Scarpe-Escaut, Pilat, Caps et marais d'Opale, Haut Languedoc und Lothringen getestet.
Ausserdem wollen die neun Parks im Zentralmassiv das ökologische Kontinuum auf Ebene des Massivs untersuchen, um eine Verbindung zwischen den Alpen und den Pyrenäen sicherzustellen.

Deutschland: Bundesnaturschutzgesetz
Seit der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) vom März 2002 sind die Länder in Deutschland gesetzlich verpflichtet, auf mindestens 10 % der Landesfläche einen länderübergreifenden Biotopverbund aufzubauen. Ziel des Biotopverbunds nach § 3 BNatSchG ist die Sicherung der heimischen Arten und ihrer Lebensräume, und die Bewahrung bzw. Wiederherstellung funktionsfähiger ökologischer Wechselbeziehungen. Dies erfordert ein dreistufiges Verfahren zur Ermittlung der Flächen, die schon einen Beitrag zum Biotopverbund leisten, des Bedarfs an weiteren geeigneten Flächen sowie an geeigneten Entwicklungsflächen.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass ökologische Wechselwirkungen in ganz unterschiedlichen räumlichen Dimensionen stattfinden. Für den in § 3 BNatSchG geforderten länderübergreifenden Biotopverbund sind die internationale bis regionale Ebene von Bedeutung. Für alle Flächen, auch Flächen mit Schutzstatus, gilt, dass sie nur dann Bestandteil des Biotopverbunds sind, wenn sie zur Erreichung des in § 3 Absatz 2 BNatSchG genannten Ziels geeignet sind. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, fachliche Auswahlkriterien zur Ermittlung geeigneter Flächen zu entwickeln. Entsprechende Empfehlungen wurden von einer Expertenrunde aus Bund und Ländern erarbeitet (Burkhardt et al. 2004). In Anwendung dieser Kriterien wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes der Bestand an national bedeutsamen Flächen für den Biotopverbund ermittelt (Fuchs et al. 2007). Die Flächen des sogenannten „Grünen Bandes“ entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze sind ein wichtiger Bestandteil des nationalen Biotopverbundes.

BayernNetz Natur und bayerische Biodiversitätsstrategie

Seit 1998 ist die Schaffung eines landesweiten Biotopverbundes im bayerischen Naturschutzgesetz verankert. Die Umsetzung soll v. a. im Rahmen von großen Naturschutzprojekten erfolgen. In mehreren Hundert BayernNetz Natur-Projekten werden wertvolle Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere neu geschaffen und gepflegt. BayernNetz Natur-Projekte zeichnen sich durch eine enge Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten (u. a. Landwirte, Behörden, Verbände, Kommunen) aus. Oberstes Prinzip ist die Freiwilligkeit aller Maßnahmen und der kooperative Ansatz. Die Finanzierung von BayernNetz Natur-Projekten erfolgt über verschiedene Fördergelder aus Landes-, Bundes- und EU-Mitteln. Zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten bestehen über Stiftungen und Sponsoringverträge.
Eines von vier zentralen Zielen der "Bayerischen Biodiversitätsstrategie" ist es, Wanderbarrieren wie Straßen oder Wehre ökologisch durchgängig zu machen. Die derzeitigen von öffentlichen Straßen unzerschnittenen, verkehrsarmen Räume, die größer als 100 Quadratkilometer sind, stellen einen hohen ökologischen Wert dar, der erhalten werden soll. Zudem müssen Straßen und Schienen bzw. Querbauten und Wehre im Fluss noch stärker als bisher ökologisch durchlässig gemacht werden. Bayerns Biodiversitätsstrategie wird in Abstimmung mit den anderen Ressorts und unter Einbeziehung der Beteiligten, vor allem der Landnutzer und Grundeigentümer, umgesetzt.

Italien: Agrarumweltprogramme
In Italien sind die landwirtschaftlichen Förderprogramme auf regionaler Ebene definiert. Jede Provinz legt in einem Plan für ländliche Entwicklung die Ziele der Vertragsmassnahmen fest. Die Agrarumweltprogramme werden gemeinsam vom Staat und den Regionen finanziert. Neben reinen Agrarprogrammen gibt es auch Kulturlandschaftsprogramme, in denen Massnahmen für Pflege und Entwicklung der Landschaft vorgeschlagen werden. Zur Erhaltung der traditionellen Kulturlandschaft, vor allem in Berggebieten, werden unter anderem wichtige historische Landschaftsstrukturelemente wie Lesesteinmauern oder Hecken erhalten, sowie weitere Landschaftspflegemassnahmen gefördert (z.B. objektbezogene Beiträge für traditionelle Zäune und Waale). Landschaftspflegebeiträge dienen der Erhaltung von Einzelobjekten in der Kulturlandschaft. Für den Erhalt besonders wertvoller Lebensräume gibt es Landschaftspflegeprämien (Flächenprämien). In den verschiedenen Regionen werden Landschaftsleitbilder, -inventare und -pläne ausgearbeitet, an denen sich Massnahmen und Förderungen orientieren. Erhöhter Arbeitsaufwand beispielsweise durch traditionelle Bewirtschaftung und Minderertrag werden durch die Landschaftspflegeprämien abgegolten.

Liechtenstein
Liechtenstein ist durch die Einbindung in die weltweiten und paneuropäischen Instrumente in die internationale bzw. grenzüberschreitende Zusammenarbeit grundsätzlich integriert. Für Liechtenstein als ein Staat mit sehr kleiner Landesfläche gilt seit jeher der allgemeine Grundsatz, dass die aussenpolitischen Zielsetzungen in der Regel immer in enger Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten, dem Land Vorarlberg in Österreich und den schweizerischen Kantonen St. Gallen und Graubünden, abgestimmt werden. Aus diesem Grund war und ist für Liechtenstein die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in den Bereichen Natur und Umwelt ein Anliegen, ohne dass dies durch bestimmte gesetzliche oder andere nationale Instrumente speziell festgelegt wird. Diese Zusammenarbeit besteht im Natur- und Landschaftsschutz zum Beispiel in den Bereichen Gewässerökologie, Waldreservate, Feuchtgebiete, Management wildlebender Huftierarten, Grosser Raubtierarten, invasive Arten, Wildtierpassagen und andere.
Ab 2008 wird das „Entwicklungskonzept Natur und Landwirtschaft“, für welches in den vergangenen Jahren umfangreiche Grundlagendaten erarbeitet worden sind, umgesetzt. Im Rahmen dieses Konzeptes werden in enger Koordination mit der Landwirtschaft Renaturierungs- und Vernetzungsprojekte in Liechtenstein realisiert, sowie überregionale Korridore mit dem Kanton St. Gallen und dem Bundesland Vorarlberg erstellt.

Slowenien: Programm zur Entwicklung der Wälder Sloweniens
Der Wald spielt in Slowenien eine besondere Rolle. Mit einem Waldanteil von 56,4 % der Landesfläche steht Slowenien an dritter Stelle in Europa. Die Waldfläche nimmt durch die Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen weiter zu. Die Forstwirtschaft beruht auf den Prinzipien der Nachhaltigkeit, des naturnahen Waldbaus und der Multifunktionalität.
Im „Programm zur Entwicklung der Wälder Sloweniens“ von 1996 sind die wichtigsten Fakten der slowenischen Wälder sowie ihre Rolle für den Erhalt der Biodiversität aufgeführt. Aufgrund des guten Erhaltungsgrades der Wälder, der bedeutenden Fläche die sie einnehmen sowie des Vorkommens zahlreicher in Europa bedrohter Arten, sind diese Wälder für ein alpenweites Netzwerk von besonderer Bedeutung. Ökologisch bedeutende Lebensräume und Feuchtgebiete innerhalb von Wäldern sowie Waldreservate stehen unter besonderem Schutz. Das Entwicklungsprogramm sieht die Beteiligung der Forstbehörde sowie der Jagdbehörde und der Jagdverbände bei Aspekten der Raumplanung, insbesondere bei Infrastrukturplanungen, vor um den Erhalt der Lebensräume für das Wild sicher zu stellen.

Schweiz: Öko-Qualitätsverordnung (ÖQV) und Richtlinie für Wildtierpassagen
In der Schweiz müssen die Landwirte – als eine Voraussetzung für Direktzahlungen – auf mindestens 7 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologische Ausgleichsflächen (öAF) anlegen. Ökologische Ausgleichsflächen sind artenreiche, extensiv genutzte Wiesen und Weiden, Streueflächen und Hecken sowie weitere naturnahe Elemente. Heute umfassen die öAF etwa 10% der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Seit 2001 bietet die Öko-Qualitätsverordnung (ÖQV) ergebnisorientierte Anreize zur Förderung nicht nur der biologischen Qualität, sondern auch der Vernetzung von ökologischen Ausgleichsflächen. Die Vernetzung von ökologischen Ausgleichsflächen bezweckt die Verbindung isolierter Restpopulationen anhand von regionstypischen Ziel- oder Leitarten. Die Qualitätsbeurteilung bei Wiesen erfolgt aufgrund von Zeigerpflanzen. Bei anderen Lebensraumtypen kommen noch andere Kriterien dazu – z.B. bei Hecken u. a. Struktur, Mindestbreite, Herkunft der Arten, Pflege. Die Kantone müssen sich finanziell mitbeteiligen. Die Beiträge für Vernetzung und Qualität sind kumulierbar. In kurzer Zeit haben die marktwirtschaftlichen Anreize der ÖQV besonders im Berggebiet zur ausgedehnten Vernetzung und biologischen Aufwertung der durch Intensivierung und Verbrachung gefährdeter artenreicher Wiesen und Weiden geführt.
Mit der sogenannten UVEK-Richtlinie zur Dimensionierung der Wildtierpassagen (2001) wurde festgelegt, dass Wildtierpassagen entlang von überregional bedeutenden Wildtierkorridoren eine Breite von 45 +/- 5 m haben sollen. Im Rahmen der Erarbeitung dieser Vorgabe kamen das Bundesamt für Strassen (ASTRA) und das Bundesamt für Umwelt (BAFU) überein, das schweizerische National- und Hauptstrassennetz wildtierbiologisch zu sanieren. Dieses Konzept sieht vor, dass in den nächsten Jahrzehnten mittels rund 50 Wildtierpassagen die Durchlässigkeit des Strassennetzes für die einheimischen Wildsäuger erhöht werden soll. Die zu sanierenden Konfliktpunkte wurden grob im Korridorbericht (SRU 326) definiert. Die detaillierte Planung – insbesondere genaue Standortswahl und Bauwerkgestaltung sowie Vernetzung des Bauwerkes mit seiner Umgebung – wird im Rahmen von kantonalen Konzepten erarbeitet. Diesbezügliche Unterlagen – als Gesamtkonzept für den ganzen Kanton oder lediglich bezogen auf jene Korridore, welche in der obgenannten Liste verzeichnet sind – stehen in sechs Kantonen bereits zur Verfügung und sind in weiteren geplant. Bei drei Standorten aus der Liste sind zudem die Detailplanungen für das Bauwerk angelaufen. Die Informationen aus dem Korridorbericht – teilweise ergänzt durch jene des REN (SRU 373), u. a. zu Lage oder Gefährdungsgrad der Wildtierkorridore – fanden zudem in 17 kantonalen Richtplänen Eingang und erhöhen hier den Schutz dieser wichtigen Verbindungsachsen.

Zum Weiterlesen

Weiteres über die gesetzlichen Grundlagen lesen Sie in:

 

 

Ökologische Netzwerke im Alpenraum: Ein Hintergrundbericht. 2010.

 

 

 

 

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Alle Inhalte des Massnahmenkatalogs sind in diesem Bericht zusammengestellt. Der Bericht wird regelmässig aktualisiert.